Eine Anwaltsvergütung in Höhe von einer 1,8 Geschäftsgebühr ist ggf. ersatzfähig

Regelmäßig sind Kosten für Anwaltsvergütung bei Regulierung eines Verkehrsunfalls  in Höhe von einer 1,3 Geschäftsgebühr ersatzfähig. Eine Geschäftsgebühr mit 1,8 ist aber dann, wenn ein Totalschaden vorliegt und die gegnerische Haftpflichtversicherung ihre Einstandspflicht erst dreieinhalb Monate nach Aufforderung bestätigt. So entschied das AG Tostedt, Urteil vom 12.04.2018, 18 C 170/17.

Werkstattrisiko beim Verkehrsunfall

Ein immer wieder auftauchender Punkt bei der Regulierung von Verkehrsunfällen ist das sogenannte Werkstattrisiko. Die Werkstatt verlangt bei einem vom AG München mit Urteil vom 06.04.2018, 332 C 4359/18, zu entscheidenden Fall, angeblich überhöhte Reparaturkosten. Die Versicherung beanstandete eine zweifache Spureinmessung sowie ein sogenanntes Lackfinish. Der Kläger hätte wegen seiner Schadenminderungspflicht – so zumindest die Versicherung – die Unrichtigkeiten gegenüber der Werkstatt rügen müssen. Das Amtsgericht München hat der Klage zwar stattgegeben. Dem Kläger wurde jedoch nur der Betrag mit der Maßgabe zugesprochen, die Ansprüche gegen die Werkstatt auf Rückzahlung überzahlter Beträge abzutreten. Das Werkstattrisiko müsse dabei in der Sphäre des Schädigers verbleiben, denn es bestehe kein Sachgrund, eine andere Risikoverteilung vorzunehmen, als wenn der Geschädigte dem Schädiger die Beseitigung des Schadens zu überlassen. Das Ergebnis wäre dasselbe gewesen. Die Erkenntnismöglichkeiten des Geschädigten sind dabei regelmäßig deutliche Grenzen gesetzt, insbesondere wenn er den Reparaturauftrag erteilt und das Fahrzeug in Hände von Fachleute gebe. Die beiden streitigen Punkte hätte der Kläger vorliegend nicht erkennen können.

Bei einem Unfall sind Kosten für Verbandskasten und Warndreieck ersatzfähig

Auch Kleinigkeiten sind bei einem Verkehrsunfall von der gegnerischen Haftpflichtversicherung zu ersetzen. Das Amtsgericht Tostedt hatte sich mit den Kosten der Ausstattung eines Fahrzeug mit einem Verbandskasten einem Warndreieck und einer Warnweste auseinander zu setzen sowie mit den Kosten für die Abmeldung des beschädigten und die Anmeldung eines neuen Fahrzeugs. Mit Urteil vom 12.04.2018, 18 C 170/17, hat das AG Tostedt entschieden, dass diese Kosten ohne weiteres ersatzfähig sind.